Theater brauchen Theatergemeinden

Marc Grandmontagne, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins, als Ehrengast bei Bundestagung im Ingolstädter Stadttheater

Auf Einladung der Theatergemeinde Ingolstadt versammelten sich die Vorstände und Geschäftsführer aller deutschen Theatergemeinden am Wochenende im Stadttheater Ingolstadt zur jährlichen Bundestagung ihres Dachverbandes. Dabei ging es sowohl um überregionale kulturpolitische Themen als auch um lokale Vereinsarbeit. Der Bund der Theatergemeinden vertritt mit seinen Vereinen rund 80.000 Kulturfreunde in ganz Deutschland.

Intendant Kurt Weber nutze die Versammlung in seinem Haus, um die insgesamt gute Lage der Kulturlandschaft in Ingolstadt und seine außerordentliche gute Zusammenarbeit mit der örtlichen Theatergemeinde zu schildern. Kopfzerbrechen bereiten ihm allerdings drängende Sanierungsaufgaben und die weiterhin offene Frage eines Neubaus der Kammerspiele. Ernst Schulten von der Hochschule Aschaffenburg referierte über ein momentan für jeden Verein brandaktuelles Thema: die Auswirkungen der Ende Mai kommenden EU-Datenschutz-Grundverordnung.

Diesjähriger Ehrengast war Marc Grandmontagne, der seit 2017 neuer Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins ist. Er berichtete über aktuelle kulturpolitische Entwicklungen in Bund und Ländern und über mögliche Formen der Zusammenarbeit mit Besucherorganisationen. Der stetig wachsende Anspruch an viele Theater ziehe einen immer höheren Bedarf an Vermittlung und politischer Neuverhandlung nach sich. Das Angebot der Theatergemeinden, hier ihre traditionelle Vermittler-Funktion zwischen Kultur und Publikum einzubringen, sei dabei von essenzieller Bedeutung. Gerade im Transformationsprozess der Theater und Orchester könnten Publikumsorganisationen sich noch stärker einbringen und den Wandel unterstützen. Auch sie selbst müssten dafür neue Wegen gehen, um gesellschaftliche Zielgruppen anzusprechen, denen der Weg ins Theater bisher noch nicht geebnet ist, so Marc Grandmontagne. Das Theater sei ein Ort für alle und die Publikumsorganisationen könnten die Herausforderungen bei der Betreuung des Publikums, insbesondere bei neuen Theaterformen, noch stärker aufgreifen.

„Seien Sie Vermittler und Erklärer! Begleiten Sie die Prozesse, damit wir alle mitnehmen können!“ Die Theater brauchten verlässliche Verbündete wie die Theatergemeinden. Dies sei ein Kooperationsangebot, so der Geschäftsführende Direktor des Bühnenvereins. Ein gewichtiges Wort, denn seine Organisation fungiert als Bundesverband aller Träger der deutschen Theater und Orchester. Die Theatergemeinden sind ebenfalls dafür da, für die Erreichung der gesellschaftlichen Ziele „Bildung und Kultur“ einzutreten.“

Gerhard Bendt, Vorsitzender der Hamburger Theatergemeinde und Bundesvorsitzender, hatte zuvor betont, dass die Theatergemeinden gerade in bewegten Zeiten, in den um Demokratie und Teilhabe gerungen werde, ein unverzichtbares Angebot an die Kulturgesellschaft machen – sie seien „ein traditionsreiches Modell mit ganz neuem Leben“.

Von den 23 deutschen Theatergemeinden, die pro Jahr rund eine Million Theaterkarten vermitteln, waren 25 Abgesandte nach Ingolstadt gereist. Als Gast war zeitweilig auch ein Vertreter der mit den deutschen Vereinen assoziierten Österreichischen Theatergemeinde Wien anwesend. Alle gemeinsam beeindruckte die Schönheit der Ingolstädter Altstadt beim Stadtrundgang inklusive exklusivem Zutritt zur Asamkirche. (M. Grill)

Ingolstadt im Mai 2018

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